Pädagogische Arbeit

Wir arbeiten nach dem Situationsansatz. Dieser verfolgt das Ziel, Kinder unterschiedlicher sozialer und kultureller Herkunft darin zu unterstützen, ihre
Lebenswelt zu verstehen und selbstbestimmt, kompetent und verantwortungsvoll zu gestalten. Durch das Einbeziehen in den Planungsprozess von Projekten werden ihre Selbständigkeit und ihr Selbstbewusstsein gestärkt.

Sie lernen, ihre Meinung zu äußern, ihnen wird zugehört, sie hören zu und lernen so das Miteinander. Wir sehen uns als ihre Unterstützer und Begleiter auf ihrem Weg ins Erwachsenenleben. In unserer pädagogischen Arbeit setzen wir den Bildungsauftrag um. Durch intensive Beobachtung der Kinder und regelmäßigen Austausch im Team ergibt sich die Umsetzung der einzelnen Bereiche in den Praxisalltag.

Spiel

Im Spiel sind Kinder mit all ihren Fähigkeiten aktiv. Sie müssen sich konzentrieren. Sie handeln und beobachten die Wirkung ihres Handelns. Zusammenhänge werden entdeckt. Sie erleben Miteinander mit anderen Spielkameraden und sind emotional und sozial gefordert. Im Spiel ergeben sich Probleme, die kreative Lösungen verlangen. Spiel fördert die Selbstständigkeit, die Bereitschaft ein Wagnis einzugehen und sich neuen Erfahrungen stellen. Kinder nutzen beim Spielen all ihre Körpersinne. Sie suchen differenzierte Erfahrungsmöglichkeiten, die Grundlage für selbst gesteuerte Lern-und Bildungsprozesse.

Kinder lernen im Spiel flexibel mit neuen Spielsituationen umzugehen. Sie lernen Grenzen zu erkennen, ihre eigenen Stärken umzusetzen. Als Unterstützer im Spielprozess geben wir den Kindern die Möglichkeit, sich mit unterschiedlichen Materialien oder Spielsituationen auseinander zu setzen. Im Spiel lernen die Kinder ihre Gefühle wahrzunehmen und auszudrücken. Spiel setzt Phantasie und Kreativität frei.

Das selbstbestimmte Spielen fördert alle Entwicklungsbereiche der Kinder. Beim Spielen machen Kinder Erfahrungen, die ihnen ihr ganzes Leben nützlich sind.
Spielen ist Training fürs Leben!

Wichtigstes Instrument des Spiels ist das Freispiel. Die Kinder können selbst entscheiden, womit, mit wem und wie lange sie spielen möchten. Hierbei entwickeln Kinder eigene Entscheidungsfähigkeit, Verantwortung für ihr Handeln und Auseinandersetzung mit den Bedürfnissen der Spielpartner. Kinder lernen sich zu organisieren.

Im Rollenspiel greifen Kinder alltägliche Situationen aus ihrem Leben auf (z. B. Krankenhaus, Vater-Mutter-Kind, Trennung der Eltern, Geburt eines Geschwisterkindes etc.) und haben so die Möglichkeit, Erlebtes zu verarbeiten. So können die Kinder wertfrei und ohne Konsequenzen Lebenssituationen erproben und umsetzen.

U3

Unsere Gruppenstruktur ist eine Altersmischung, d. h. wir leben in einer Gruppe mit Kindern von 0,4 – 6 Jahren. Es gibt keine U3-Gruppe. In den ersten Lebensjahren findet so viel intellektuelles Lernen statt, wie in keiner anderen Lebensphase. Babys und Kleinkinder saugen zahllose Informationen in sich auf.

Sie kauen und schmecken, hören, brabbeln und bringen schließlich Wörter hervor. Sie tasten, greifen, sie krabbeln und lernen laufen. Bei dieser körperlichen Entwicklung findet zugleich eine enorme emotionale und soziale Entwicklung statt. Das Kind lernt sich und seinen Körper kennen. Es versteht allmählich, das es in einer Gemeinschaft mit anderen Menschen lebt. Auf diesem Weg möchten wir unsere Kinder begleiten.

Wir leben und lernen den größten Teil unserer Zeit gemeinsam. Um allen Kindern die Möglichkeit zu bieten, sich ihren Bedürfnissen und Fähigkeiten entsprechend zu entwickeln, gibt es für die U3 Kinder spezielle Angebote bzw. Rückzugsmöglichkeiten. U3 Kinder benötigen mehr Einzelbetreuung und Zuwendung.

In unserem Gruppenraum gibt es eine U3 Ecke, die für die Kleinsten vorgesehen ist. In Ruhekörbchen können sie entspannen vom aufregenden Alltag. Ein Kirschkernbad, Bilderbücher und Beschäftigungsmaterial sind auf die Bedürfnisse der Kleinen abgestimmt. Einmal wöchentlich dürfen sie mit unserer Berufspraktikantin den Bewegungsraum alleine nutzen, um kleine Tänze und Fingerspiele einzuüben.

Wichtig bei der Arbeit mit U3 Kindern ist uns, ihnen Möglichkeiten des Rückzugs zu bieten, sie aber gleichzeitig am Gesamtgeschehen in der Gruppe teilhaben zu lassen. So können Klein und Groß optimal voneinander profitieren.

Rituale

Im Alltag eines Kindes sind Rituale und immer wiederkehrende Ereignisse eine wichtige Konstante. Sie erleichtern dem Kind das tägliche Leben und Miteinander. Zudem geben sie dem Kind Sicherheit und bereichern den Alltag. Kinder können sich an Ritualen orientieren und lernen so ihren Tagesablauf eigenständig zu strukturieren. Durch Rituale werden außerdem Freiräume für Aktivitäten geschaffen.

In unserem täglichen Leben mit den Kindern werden wir stets von Ritualen begleitet. So, zum Beispiel, beginnt schon die Ankunft in der Kita mit einem für die Kinder wichtig gewordenem Ritual. Es ist das nochmalige Verabschieden der Eltern am Fenster. Dabei ist es für die meisten Kinder wichtig, dass eine der Erzieherinnen sie begleitet.

Das täglich wiederkehrende Frühstück und Mittagessen, das Wickeln, Zähne putzen und zu Bett bringen sind Stützen, an denen sich die Kinder orientieren können.

Tagesablauf

Auch unser Tagesablauf wird von Ritualen begleitet und strukturiert. Nach dem Ankommen und Winken haben die Kinder bis neun Uhr Zeit, den Freiraum nach ihrer Ankunft nach eigenem Interesse zu gestalten.

Ab neun Uhr starten wir mit dem gemeinsamen Frühstück in den Tag. Ihren eigenen Möglichkeiten entsprechend, bereiten die Kinder ihr Frühstück vor, damit wir nach einem Tischspruch mit dem Essen beginnen können.

Um auch Freude an Verantwortung und Selbstständigkeit zu entwickeln, räumt jedes Kind eigenständig sein Geschirr ab. Anschließend gehen die Kinder in den Gruppenraum, wo sie sich bis zum gemeinsamen Zähne putzen spielen können.

Nach dem Zähne putzen beginnt die Zeit des Tages, in der die Kinder an geplanten Aktivitäten teilnehmen können. So zum Beispiel der Spaziergang zum nahegelegenen Spielplatz, bei dem wir die Natur und das Umfeld entdecken. Auch Bewegung- Spiel,- oder kreative Gestaltungsangebote finden in dieser Zeit statt. Dabei haben sie immer die Möglichkeit, sich ihre Freiräume selbst zu schaffen.

Um 12 Uhr essen wir gemeinsam zu Mittag. Auch hier gleicht der Ablauf dem des Frühstücks. Durch die wiederkehrende Regelmäßigkeit gewinnen die Kinder an Sicherheit. Nach dem erneuten Zähne putzen haben die U3 Kinder die Möglichkeit bei einem Mittagsschlaf neue Kraft zu tanken. Auch für die anderen Kinder ist diese Zeit als Ruhephase anzusehen, in der sie z. B. Bücher lesen oder malen können.

Um 14.30 Uhr legen wir eine Obstmahlzeit ein.

Ab 14.30 Uhr beginnt auch für die Kinder die Abholphase, die um 16.30 Uhr endet. Während dieser Phase haben die Kinder erneut die Möglichkeit sowohl an geplanten Aktivitäten teilzunehmen, als auch bedürfnisorientiert zu handeln. Besonders wichtig ist es, den Kindern den täglichen Gang in den Garten zu ermöglichen.

Naturerfahrungen

„Man kann einen seligen, seligsten Tag haben, ohne etwas anderes dazu zu brauchen, als blauen Himmel und grüne Erde.“
Jean Paul

Ein täglicher Kontakt mit Natur und unserer Umwelt ist ein entscheidender Punkt in unserer pädagogischen Arbeit. In der heutigen Zeit wachsen viele Kinder in Städten auf, sie sind ständig in Kontakt mit Technik und Verkehr. Durch unsere Lage angrenzend ans Naturschutzgebiet, haben wir die Möglichkeit, täglich die Natur hautnah zu erleben. Der fußläufig erreichbare Revierpark Wischlingen lädt zu Spaziergängen ein.

Unser weitläufiges Außengelände nutzen wir jeden Tag aufs Neue. Bei Wind und Wetter gehen wir mit den Kindern in den Garten. Auf rund 2000 qm, die wir uns mit der Nachbareinrichtung teilen, stehen uns eine Bobbycar-Bahn, eine Vogelnest-Schaukel, 2 Sandkästen, eine kleine Schaukel, eine Wasserbahn und zahlreiche Möglichkeiten zum Verstecken zur Verfügung.

„Der Wald ist nicht nur voller Bäume, er ist auch
voller: Fantasie, Spannung, Abenteuer, Bewegung, Ruhe, Musik, Anstrengung …“

Unser Waldprojekt leben wir seit über 20 Jahren. Der Wunsch nach Naturerfahrungen nimmt einen immer wichtigeren Stellenwert in der pädagogischen Arbeit ein. Kinder sind heute in ihren Möglichkeiten Natur zu erleben, immer stärker eingeschränkt. Das familiäre Umfeld bietet oft nicht genügend Raum für regelmäßige Entdeckungen und Erkundungen von Natur und Umwelt. Um unseren Kindern die Möglichkeit zu bieten diese Erfahrungen zu sammeln, besuchen wir in regelmäßigen Abständen, jeweils für eine Woche „unseren Wald“. Ausgestattet mit Rucksack, Bollerwagen, Kinderwagen und Co. geht es auf große Entdeckungstour.

Steht unsere selbst gebaute Hütte noch?
Wie sieht es im Wichtelwald aus?

In unserem Wald leben Wichtel, Zauberer, Trolle, Prinzen und Prinzessinnen. Mit ihnen erleben wir viele Abenteuer, erfahren von Lebewesen des Waldes, lernen Rücksicht zu nehmen (Sternenmoos wird nicht zertreten, da die Wichtel es für ihre Bettchen benötigen).

Wir sind be- und verzaubert vom Leben und Erleben in unserem Wald. Wir können Klettern, rutschen, rennen, über reißende Flüsse springen, mit Gremelius, unserem Wichtelkönig, Feste erleben, wie die Hochzeit der Prinzessin Aleta oder die Taufe von Gremelius. Eifrig helfen wir den Wald zu säubern, backen Feenkuchen oder helfen bei der Reperatur des Floßes.

So erleben unsere Kinder in der Welt des Zaubers Verantwortung, Toleranz, Sozialkompetenz, Umweltbewusstsein und Kreativität. Unsere Waldwochen sind ein wichtiger Bestandteil unserer pädagogischen Arbeit. An keinem anderen Ort gibt es so vielfältige Lernprozesse für uns alle.

Erfolge regelmäßiger Waldtage:

- Intensive Sprachentwicklung
- Stärkere Sozialkompetenz
- Besseres Immunsystem
- Verbesserung von Motorik und Koordination
- Größeres Konzentrationsvermögen
- Entwickeltes Selbstbewusstsein
- Intensivere Sinneswahrnehmung
- Förderung des Bewegungsapparates
- Bewusster Umgang mit der Natur
- Erlernen von Eigen- und Fremdwahrnehmung

Portfolio

Laut der Bildungsvereinbarung des Landes Nordrhein-Westfalen und des Kinderbildungsgesetzes ist jede Einrichtung verpflichtet, über jedes einzelne Kind eine Bildungsdokumentation zu führen.

Diese dienen als Grundlage der pädagogischen Arbeit. Um die Persönlichkeitsentwicklung bestmöglich zu fordern, wird das Kind – sein Verhalten, Spiel, Bewegung, Sprache – gezielt beobachtet. Diese Beobachtungen sind Grundlage für individuelle Förderschritte. In unserer Kita findet die Umsetzung über die Portfolio-Arbeit statt.

Was bedeutet der Begriff „Portfolio“?

Der Begriff Portfolio setzt sich aus den beiden Wörtern portare (tragen) und folium (Blatt) zusammen und steht im ursprünglichen Sinn für die Brieftasche, in welcher der Träger wichtige Briefe und Dokumente mit sich führt.

Für unsere pädagogischen Ziele bedeutet es, eine mit den Kindern gemeinsam angelegte Mappe, in der sie ihre für wichtig erachteten Arbeiten (wie Bilder, Arbeitsblätter etc.) sammeln können, um eine Gesamtentwicklung des Kindes darzustellen. Lerngeschichten, entstanden aus den Beobachtungen der Erzieherinnen, ergänzen die Entwicklungsdokumentation.

Das Portfolio macht konsequent das Erreichte sichtbar, niemals die Defizite.

Wackelzahnkinder

„Schulneulinge sind keine Neulinge des Lebens! Sie haben sechs Jahre geschaut, gehört … mit allen Sinnen die Welt wahrgenommen.“
Armin Krenz und Roswitha Raue

Wackelzahnkinder sind in unserer Einrichtung die Kinder, die im nächsten Jahr in die Schule kommen. Vorschulerziehung findet in der gesamten Kitazeit statt, dem Alter, Bedürfnissen und Entwicklungsstand des Kindes angepasst.

Dennoch ist das letzte Kitajahr für unsere Großen etwas Besonderes. Körperliche und emotionale Reife sind ein wichtiges Rüstzeug für den Schulbesuch.

Körperliche Reife: Grobmotorik: Bewegung im Freien, Bewegungsbaustelle, Walderfahrungen; Feinmotorik: Malen, Basteln, Ausschneiden

Sinnesschulung: Hören, Riechen, Sehen, Tasten, Schmecken.

Emotionale Reife: Ein Kind, das sich emotional sicher fühlt, verhält sich neugierig und aktiv und will etwas Neues lernen. Es kann sich auf neue Bezugspersonen einlassen und kommt mit weniger Aufmerksamkeit klar.

Unser Jahr mit den Wackelzahnkindern gestalten wir individuell, nicht jedes Jahr verläuft gleich, denn es gibt keine „gleichen“ Kinder.

Ab September findet einmal wöchentlich mit den Wackelzahnkindern ein besonderer Vormittag statt. Wir klettern, wandern, machen eine Fahrradtour, gehen Schlittschuh laufen. Die Mutprobe auf den sieben Bergen ist der Höhepunkt. Dort beweisen unsere Wackelzähne Mut, Kraft und Durchhaltevermögen.

Museums und Theaterbesuche schließen sich an. In den Wintermonaten finden unsere Aktionen vermehrt in der Kita statt. Da sind bei unseren Experimenten kleine Forscher am Werk. So findet lustbetontes, eigenmotiviertes Lernen statt.

Den Abschluss unseres Wackelzahnjahres bildet unsere Theatervorführung. Mit den Kindern entwickeln wir ein Theaterstück. Die Kinder sind an der Planung, der Vorbereitung und Durchführung aktiv beteiligt. Da werden Kostüme genäht, ein Bühnenbild entworfen und entwickelt. Programmhefte müssen geschrieben oder gemalt werden. Einladungen verschickt und Eintrittskarten gebastelt werden. Zur Premiere gibt es ein großes Publikum mit anschließendem Empfang. Autogramme werden gerne gegeben!!!!! Alles wie im echten Leben.

Einen Großteil ihres Portfolio gestalten die Kinder in ihrem letzten Kitajahr eigenständig und selbstbestimmt. Den Höhepunkt bildet jedes Jahr die Wackelzahnabschlussfahrt. Mit allen Teammitgliedern geht es traditionell in eine Jugendherberge. Dort erleben wir einen Grillabend und eine aufregende Nacht. Gruselgeschichte eingeschlossen. Den nächsten Tag verbringen wir in einem Freizeitpark. So manches Kind ist dort zum Helden geworden.

Die Abschlussfeier der Schulkinder wird immer von deren Eltern vorbereitet und durchgeführt. So entlassen wir Kinder, die gestärkt und kompetent den Übergang zur Schule antreten.

„Schule ist jenes Exil, in dem der Erwachsene das Kind solange hält, bis es imstande ist, in der Erwachsenenwelt zu leben, ohne zu stören.“ Maria Montessori

Jona

Um eine Verbindung zwischen Zuhause und Einrichtung zu schaffen, lebt in unserer Kita unser Stofftier-Elchkind Jona.

Jona verbringt Wochenenden oder auch Urlaube mit den Kindern. Dabei hat er schon viel erlebt. Mallorca, Italien und Österreich waren schon seine Ziele. Mit eigenem Koffer und einem Tagebuch ausgestattet, macht er sich mit den Kindern auf den Weg. Am Montag wird aus dem Tagebuch, das die Eltern füllen, vorgelesen. So erfahren wir alle auch etwas über den Alltag, besondere Anlässe, Ausflüge oder Urlaube unserer Familien.